Gemeinsame Erklärung zum Aktionsplan Wolf

München, 30. Januar 2019


Gemeinsame Erklärung der Bayerischen Land- und Forstwirtschaft zum Bayerischen Aktionsplan Wolf


Der Aktionsplan Wolf der Bayerischen Staatsregierung soll das bisherige bayerische Wolfsmanagement um notwendige – bisher fehlende – Regelungen ergänzen. Der bayerische Ministerrat hat am 17.4.2018 beschlossen, dass die Weidetierhaltung auch bei Wolfsanwesenheit ohne unzumutbare Mehraufwendungen flächendeckend und dauerhaft erhalten bleiben muss. Der Aktionsplan wird diesem Beschluss bisher nicht gerecht. Im Gegenteil, die seit Jahren von der Land- und Forstwirtschaft eingebrachten Anliegen werden ignoriert oder mit weichgespülten, unwirksamen Formulierungen abgehandelt. Damit stehen der Erhalt von tiergerechten Haltungsformen und der Erhalt der traditionellen Kulturlandschaften in Bayern auf dem Spiel. Letztlich auch zum Schaden des Naturschutzes selbst.

Anstatt bei Wolfsanwesenheit schnell im Sinne der Betroffenen und zum Wohl unserer Kulturlandschaft reagieren zu können, sieht der Aktionsplan komplexe Entscheidungsstrukturen vor, die weder eine schnelle Bestätigung eines Wolfes oder schnelle Handlungsoptionen noch Spielraum für die Betroffenen vor Ort ermöglichen. Stattdessen verliert das bayerische Wolfsmanagement aufgrund fehlender Transparenz an Glaubwürdigkeit bei den Betroffenen.

Mit dem Aktionsplan wird unter anderem versucht, die Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung zu regeln. Die gewählten Ansätze wie Förderung von Präventionsmaßnahmen, Schadensausgleich bei Rissen etc. erwecken den Eindruck, als wäre die Situation für Tierhalter leicht zu bewältigen. Zahlreiche Beispiele in anderen Bundesländern und Mitgliedsstaaten belegen jedoch, dass Präventionsmaßnahmen nicht oder nur eine Zeit lang wirken, bevor Wölfe diese zu überwinden lernen. Die Entschädigung für getötete Nutztiere ist zur Schadensminderung notwendig, ersetzt dem Tierhalter jedoch maximal den monetären Verlust von Tieren. Vorrangiges Ziel muss es sein, Schäden an Tieren zu vermeiden. Die im Aktionsplan angedeutete Entnahme zum Schutz von Nutztieren stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar, wird aber durch zahlreiche Einschränkungen bis zur Wirkungslosigkeit verkompliziert. Somit fehlen letztlich effiziente Möglichkeiten der Bestandsregulierung, die beim Wolf die Scheu vor dem Menschen und dessen Nutztieren aufrechterhalten.

Neben der Gefahr von Tierrissen kommen auf die Tierhalter massive zusätzliche Belastungen zu. Sei es zusätzlicher Arbeitsaufwand aufgrund von Präventionsmaßnahmen, Förderanträgen, Schadensausgleichsanträgen oder Sanktions- und Haftungsrisiken, die nicht von vorneherein ausgeschlossen werden können. Es gelingt im Aktionsplan weder dem Tierhalter eine Zusage zu geben, dass er bei Wolfsrissen nicht gegen anderweitige EU-Förderprogramme verstößt, noch ihn von der Haftung freizustellen, für Fälle, in denen z.B. Dritte durch wolfsbedingte Tierausbrüche zu Schaden kommen. Ungeklärt bleiben auch weitere rechtliche Fragen und Widersprüche im Baurecht, Tierschutzrecht (u. a. Tierschutzhundeverordnung), Naturschutzrecht, Pflanzenschutzrecht, Arbeitsrecht und Jagdrecht.
All diese Ungewissheiten und Hürden werden gerade den kleineren Betrieben eher den Ausstieg aus der Weidehaltung als die Fortführung erleichtern. Die kleinteilige Weidehaltung kann daher nur bei einem restriktiven Bestandsmanagement erhalten werden. Dieses ist aus dem Aktionsplan allerdings nicht ausreichend ersichtlich.

Der Aktionsplan hebelt darüber hinaus das bisherige bewährte Rotwildmanagement mit dem Wintergatterkonzept und den damit verbunden Erhalt der Berg- und Schutzwälder aus.

Aus Sicht der unterzeichnenden Organisationen verfehlt der aktuelle Stand des Aktionsplans daher weitgehend sein Ziel und muss dringend im Sinne der Land- und Forstwirtschaft und zum Schutz unserer Weidetiere überarbeitet werden.

Diese Erklärung wird unterstützt von:

1. Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern e.V.
2. Alpwirtschaftlicher Verein im Allgäu e.V.
3. Arbeitgeberverband für die Land- und Forstwirtschaft in Bayern e.V.
4. Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer
5. Bayerische Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen
6. Bayerischer Bauernverband
7. Bayerische Herdbuchgesellschaft für Schafzucht e.V.
8. Bayerischer Waldbesitzerverband e.V.
9. Familienbetriebe Land und Forst Bayern e.V.
10. Fleischrinderverband Bayern e.V.
11. Landesverband Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter e.V.
12. Landesverband Bayerischer Rinderzüchter e.V.
13. Landesverband Bayerischer Schafhalter e.V.
14. Landesverband Bayerischer Ziegenzüchter e.V.
15. Verband der Forstberechtigten im Chiemgau e.V.

Wölfe dezimieren Herde der Naturschutzstation

40 tote Schafe bei Niesky: Landkreis prüft Wolfsabschuss. 

Bei Niesky hat es einen Wolfsübergriff auf eine Herde mit rund 140 tragenden Mutterschafen gegeben. Etwa 40 Moorschnucken und fünf Ziegen sind tot, viele Tiere werden noch vermisst. Die Schafherde der Naturschutzstation “Östliche Oberlausitz” ist von einem Wolfsrudel angegriffen worden. Einwohner hatten am Dienstagmorgen auf der Straße zwischen Förstgen und Tauer herumirrende Schafe gesehen und die Naturschutzstation informiert. Als man nach der Herde sah, stellte sich heraus, dass rund 40 Schafe und fünf Ziegen tot sind. Einige Wölfe wurden sowohl von Anwohnern als auch von Mitarbeitern der Naturschutzstation bei den gerissenen Tieren gesehen.

Die Herde war mit Elektrozaun gesichert.
Die Mitarbeiter der Station haben die Kadaver eingesammelt und suchen nach fehlenden Tieren. Das ganze Ausmaß des Übergriffs ist derzeit noch nicht absehbar, sagt die Geschäftsführerin Annett Hertweck. Die Weideflächen der Herde hatte man mit einem 1,10 Meter hohen Flexinetz-Elektrozaun gesichert. Die Leiterin der Naturschutzstation geht davon aus, dass die Tiere bei dem Angriff in Panik geraten seien, den Zaun niedergetrampelt hätten und in alle Richtungen geflohen seien. Es sei kaum möglich, das gesamte Gebiet innerhalb eines Tages abzusuchen, so Hertweck. Die mitten im Bestandsgebiet des Daubaner Wolfsrudels gelegene Naturschutzstation praktiziert seit mehr als zwei Jahrzehnten die Landschaftspflege im Biosphärenreservat mit Moorschnucken und Burenziegen. Ziel der Einrichtung ist es, den Naturschutz und die Umweltbildung in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zu fördern. Dazu gehört es auch, den Wolf als natürliches Raubtier in der Region zu akzeptieren.

Der Landkreis prüft einen Wolfsabschuss.
Mitarbeiter des Kreisforstamtes des Landkreises Görlitz und dem Nachbarkreis Bautzen untersuchen nun den großen Wolfsriss. Es wird davon ausgegangen, dass mindestens vier Wölfe an dem Angriff beteiligt waren, teilte das Landratsamt mit. Das Sächsische Umweltministerium sei über den Vorfall informiert worden. Geprüft wird demnach auch die Möglichkeit einer Entnahme, heißt es in der Mitteilung. Heike Zettwitz vom Landratsamt Görlitz „Da die Wolfspopulation so zugenommen hat, müssen wir in naher Zukunft mit weiteren Konflikten rechnen. Deswegen sind wir im Gespräch in Sachsen eine Wolfsverordnung aufzustellen, die unsere behördlichen Entscheidungen zur Entnahme erleichert.“ Unterdessen ist Annett Hertweck noch damit beschäftigt, die weggelaufenen Schafe zu finden. 51 seien inzwischen im Stall, 59 fehlten noch. Dass der Abschuss der Wölfe im Raum steht, überrascht sie. Schließlich unterstützt die Naturschutzstation den Umstand, dass sich der Wolf in der Oberlausitz wieder ansiedelt. “Wir sind bisher von Rissen relativ verschont geblieben. Im Dezember 2017 hatten wir den letzten Übergriff”, erinnert sich Hertweck. Dass jetzt so viele Tiere getötet wurden, stimmt sie traurig, einem Wolfsabschuss steht sie dennoch skeptisch gegenüber. Sicher müsse man beide Seiten verstehen und hier einen Kompromiss finden, meint sie im Hinblick auf betroffene Schäfereien. In ihrem Fall bezweifelt sie, ob man bei einer Abschussgenehmigung dann auch das richtige Tier erwischt würde, das über den Zaun gesprungen ist.

Die CDU fordert eine Lockerung der Abschussregeln.
Seit einigen Wochen fordert die CDU in Sachsen eine Lockerung der Abschussregeln für den Wolf und stellt den strengen Artenschutz infrage. Dazu hat die Partei auch einen Aufruf im Internet gestartet. Der Wolf habe sich gerade für Nutztierhalter in bestimmten Teilen Sachsens zum Problem entwickelt. Darauf aufmerksam zu machen, sei Gegenstand dieser Kampagne, mit der man sich an den Bund wenden möchte, so der CDU-Politiker Alexander Dierks.

Naturschützer betonen den Nutzen des Wolfes
Nabu und BUND Sachsen sind fassungslos über diesen Vorstoß. Sie fordern ein klares Bekenntnis zum Schutz des Tieres von der sächsischen Politik. Statt ein Tier per Mausklick zum Abschuss freizugeben, sollten vielmehr schlechte Arbeitsbedingungen der Schäfer verbessert werden – zum Beispiel im Rahmen einer Weidetierprämie, heißt es von den Umweltverbänden. Auch das Aufstellen sichernder Zäune sollte nicht nur zu 80, sondern zu 100 Prozent gefördert werden und alternative Schutzmaßnahmen müssten mehr finanzielle Unterstützung erfahren. Der Wolf stelle keine Gefahr für den Menschen dar, betonte Felix Ekardt, Landesvorsitzender des BUND Sachsen. Seine Wiedereingliederung in die Natur habe positive ökologische Effekte: So rotteten sich durch den Wolf Wildschweine zusammen, Rehe würden scheu. “Eine Abschussgenehmigung bedeutet natürlich auch die Gefahr, den Wolf wieder auszurotten”, erläutert Ekardt. In Sachsen leben aktuell 17 Rudel und vier Wolfspaare. Ein Rudel besteht im Durchschnitt aus fünf bis zehn Wölfen. Seit einigen Jahren beklagen Landwirte vermehrt Angriffe auf Nutztiere. Zudem wurden im Freistaat nach Angaben des Kontaktbüros “Wölfe in Sachsen” seit 2009 acht Wölfe illegal abgeschossen.

Quelle MDR

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